Junge Stimmen bewältigen alte Meisterwerke (Schwäbische Zeitung)

Geschrieben von: Schwäbische Zeitung Dienstag, den 09. Juni 2009 um 15:00 Uhr

Wolfegg — Sein 30-jäh­riges Be­stehen hat der Lan­des­ju­gend­chor Baden-Würt­tem­berg mit geist­li­cher Musik bei einem Kon­zert in der Pfarr­kirche St. Ka­tha­rina in Wolfegg ge­feiert. Der Wolfegger Or­ga­nist Franz Ott spielte auf der re­no­vierten Hör-Orgel Kom­po­si­tionen aus ober­schwä­bi­schen Klös­tern.
Der Lan­des­ju­gend­chor Baden-Würt­tem­berg wurde im Jahr 1979 ge­gründet, um jungen, be­son­ders be­gabten Sän­ge­rinnen und Sän­gern im Alter zwi­schen 15 und 25 Jahren die Ge­le­gen­heit zu geben, neben ihrer Tä­tig­keiten in an­deren Chören und En­sem­bles unter einem her­vor­ra­genden Di­ri­genten wich­tige WErke der Chor­li­te­ratur ken­nen­zu­lernen und pro­fes­sio­nell zu mu­si­zieren.
Mit rund 70 Sän­ge­rinnen und Sän­gern aus ganz Baden-Würt­tem­berg ge­hört das Aus­wah­len­semble zu den besten Ju­gend­en­sem­bles im Land. Neben re­gel­mä­ßigen Kon­zerten im Ländle ge­hören auch Tour­neen im In- und Aus­land zu den Ak­ti­vi­täten des Chores.
Mehr­mals im Jahr treffen sich die Ju­gend­li­chen, um in einer Ar­beits­phase pro­jekt­be­zogen ein Kon­zert­pro­gramm zu er­ar­beiten und auf­zu­führen. Die Mu­sik­stu­dentin Ka­tha­rina Ott aus Wolfegg hat als erste und bisher ein­zige aus der Ge­samt­ge­meinde den Sprung in den Lan­des­ju­gend­chor ge­schafft, der bisher auch schon mehr­mals Kon­zerte in Wolfeg ge­geben hat, diesmal unter Lei­tung von Pro­fessor Martin Schmidt von der Mu­sik­hoch­schule Karls­ruhe. Zur Auf­füh­rung kamen „Sechs Sprüche zum Kir­chen­jahr, op. 79 für acht­stim­migen Chor“ von Felix Men­dels­sohn-Bar­tholdy, die „Messe in Es-Dur“, op. 109 von Josef Ga­briel Rhein­berger sowie von Jo­hann Se­bas­tian Bach die Mo­tette für Chor (BWV 227) „Jesu meine Freude“.
Der A-cap­pella-Ge­sang war eine wahre Freude für die Zu­hörer im Kir­chen­schiff: der mäch­tige, stimm­ge­wal­tige Chor mit glo­cken­hellen, un­ver­brauchten Stimmen, die sich frohlo­ckend und ju­belnd zum Hal­le­luja auf­schwangen und ein macht­volles Amen setzten. Das in­brüns­tige Credo in Rhein­ber­gers la­tei­ni­scher Messe und als Hö­he­punkt Bachs „Jesu meine Freude“, das be­kannte Kir­chen­lied. Ein mitrei­ßend mu­si­ka­li­sches Er­lebnis im ba­ro­cken Am­biente der Kriche, die den Blick zum Himmel führt.
Franz Ott be­rei­cherte das Kon­zert mit dem An­dan­tino und Al­legro molto von Sixtus Bach­mann, der Si­ci­liana von Issrid Kayser und dem Al­legro von rober Brae­li­sauer. Alles Kom­po­si­tionen, die im 18. Jahr­hun­dert in ober­schwä­bi­schen Klös­tern, Och­sen­hausen und Ober­marchtal ent­standen sind. Mit Be­dacht hatte Ott diese Kom­po­si­tionen aus­ge­sucht, um die Ge­le­gen­heit zu nutzen, die Nu­ancen der fast fertig re­no­vierten Hör-Orgel zu spielen. Nach dem letzten Ton der Glo­cken von St. Ka­tha­rina brauste der ver­diente Ap­plaus mächtig auf.