Landesjugendchor brillierte in der Mälzerei (Rhein-Neckar-Zeitung)

Geschrieben von: Claus Kaiser Dienstag, den 20. Mai 2008 um 13:34 Uhr

Das an­spruchs­volle Kon­zert „Mo­dern Clas­sics“ hätte mehr Zu­spruch ver­dient ge­habt – „Ge­burts­tags­kon­zert“ des Sän­ger­kreises
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Der Lan­des­ju­gend­chor Baden-Würt­tem­berg gas­tierte in der Alten Mäl­zerei und hätte mehr Be­su­cher ver­dient ge­habt. Foto: Claus Kaiser

Mos­bach. (cka) Ja, man muss schon eine be­son­dere Af­fi­nität zum mo­dernen Chor­ge­sang haben. Nur rund 130 Be­su­cher zählte das an­spruchs­volle Kon­zert „Mo­dern Clas­sics“ des Lan­des­ju­gend­chores Baden-Würt­tem­berg am Sonntag in der Alten Mäl­zerei. Zur Ver­an­stal­tung mit zeit­ge­nös­si­scher in­ter­na­tio­naler Vokal-Musik hatten der Sän­ger­kreis Mos­bach, der Lan­des­mu­si­krat und der Ei­gen­be­trieb Kultur und Frem­den­ver­kehr der Stadt
ein­ge­laden.

Der Lan­des­ju­gend­chor Baden-Würt­tem­berg – eine För­der­maß­nahme des Landes und in Trä­ger­schaft des Lan­des­mu­si­krates – wurde 1979 ge­gründet, um be­son­ders be­gabten Sän­ge­rinnen und Sän­gern im Alter von 15 bis 25 Jahren die Ge­le­gen­heit zu geben, neben ihren Tä­tig­keiten in an­deren Chören und En­sem­bles wich­tige Werke der Chor­li­te­ratur kennen zu lernen und pro­fes­sio­nell zu mu­si­zieren. Das in Mos­bach prä­sen­tierte Pro­gramm wurde in nur fünf Tagen ein­stu­diert. „Das schönste Ge­burts­tags­ge­schenk macht man sich sel­ber“ meinte Steffen Ell­wanger, Vor­sit­zender des Sän­ger­kreises Mos­bach, der seit 130 Jahren be­steht, in seiner Be­grü­ßung.

Unter dem Di­rigat von Matt­hias Becker wid­mete sich der Chor zum Auf­takt der 40-mi­nü­tigen Kom­po­si­tion „Songs of Sanc­tuary“ des 1944 ge­bo­renen Karl Jen­kins, der in den 1970er-Jahren die Drums bei der le­gen­dären Band „Soft­ma­chine“ be­diente. Jen­kins selbst be­schrieb „Songs of Sanc­tuary“ als er­wei­terte Chor­ar­beit auf der Grund­lage der eu­ro­päi­schen klas­si­schen Tra­di­tion, wobei der Stim­men­klang eher auf eth­ni­scher oder „world-mu­sic“ ba­siere. Das Werk, „in dem man seine Ruhe finden kann“, so Becker, ist in einer un­ver­ständ­li­chen Phan­ta­sie­sprache ge­textet. Klänge aus der Gre­go­rianik, ri­tu­elle afri­ka­ni­sche und in­dia­ni­sche Mu­sik­fetzen bilden das Ge­rüst des Stückes. Die nicht leichte Auf­gabe, acht Per­cus­sio­nisten zu er­setzen, wie in der Kom­po­si­tion vor­ge­sehen, musste Schlag­zeuger Claus Hessler er­füllen. Das tat ermit Bra­vour – neben der breiten sti­lis­ti­schen Pa­lette seines Spiels ge­hören ins­be­son­dere das „Open handed play­ing“ und die so ge­nannte „Mo­eller Tech­nik“ zu den Mar­ken­zei­chen seines Spiels.

Zu Be­ginn des zweiten Kon­zert­teils trug das über 50-köp­fige En­semble, dem mit Erik Burger (Mos­bach), Ben­jamin Förster (Hei­del­berg) und Kle­mens Mölkner (Dallau) auch drei Tenöre des NKG-Män­ner­chors an­ge­hören, zwei bib­li­sche Mo­tive auf­grei­fende Stücke vor, die in be­wus­ster Ein­fach­heit von zwei Kom­po­nisten ge­schrieben wurden, welche un­ter­schied­li­cher nicht sein können. Aus der Feder des ame­ri­ka­ni­schen Jazz­sän­gers Bobby Mc­Ferrin (geb. 1950) stammt der ge­tra­gene Song „Psalm 23“, eine mo­derne eng­li­sche Ad­ap­tion des be­kannten deut­schen Kir­chen­liedes „Der Herr ist mein Hirte“. Me­lan­cho­lisch und ver­halten klang „The woman with the ala­baster box“ des Avant­gar­disten Arvo Pärt (geb. 1935). Die Ala­baster-Kiste stand sym­bo­lisch für ein trau­riges Zei­chen einer Liebe.

Zur Be­lus­ti­gung der Zu­hörer trug die spontan im Sprech­ge­sang und mit Body-Per­cus­sion und Shaker im­pro­vi­sierte Weltur­auf­füh­rung „Mos­ba­cher Circle Song“ bei. Hin­gegen war No­ten­ge­nau­ig­keit beim schönsten und im­pul­sivsten Stück des Kon­zertes – „Water night“ – ge­fragt. Darin ver­bindet einer der ar­ri­vier­testen ame­ri­ka­ni­schen Chor­kom­po­nisten, Eric Whit­care (geb. 1970), ab­strakte Poesie und träu­me­ri­sche Phan­tasien. Em­pha­tisch in­ter­pre­tierte der Chor „Voice Dance“ von Greg Jas­perse. Wie der Titel schon an­deutet, bein­haltet er keinen sinn­vollen Text, son­dern nur Scat-Silben. Die gos­pel­haft an­mu­tende Zu­gabe „The Gar­den“ von Bobby Mc­Ferrin und Roger Treece warf einen Blick ins Pa­ra­dies. Die lan­gan­hal­tenden „stan­ding ova­ti­ons“ hatte sich sich der junge Chor völlig zu Recht ver­dient.

Vielen Dank an die Rhein-Neckar-Zei­tung für die Be­reit­stel­lung des Fotos.