Jugendliche Begeisterung im Doppelpack (Schwäbische Zeitung)
Geschrieben von: Jutta Ronellenfitsch Dienstag, den 17. Juni 2003 um 03:00 Uhr
OCHSENHAUSEN - Der Landesjugendchor und das Sinfonische Jugendblasorchester Baden-Württemberg hatten sich eine Woche lang in der Landesakademie für die musizierende Jugend in Ochsenhausen intensiv auf ihre diesjährigen Konzertreisen vorbereitet. Bevor die beiden jungen Ensembles aber, die einen nach Schweden, die anderen nach Brasilien, aufbrechen, werden sie gemeinsam die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Landesmusikrates umrahmen. Das Ergebnis ihrer Probenarbeit stellten sie am Freitagabend einem zahlreichen Publikum vor.Unter der Leitung von Dan-Olof Stenlund erfreute der Jugendliche Chor mit den Liebeslieder-Walzern op. 52 von Johannes Brahms, hervorragend am Flügel begleitet von einem ebenso jungen Pianisten-Duo. Standen die Sänger auch recht eng gedrängt hinter den noch leeren
Stühlen des Orchesters, so hatten sie sich doch bald eingesungen und zeigten mit feiner Dynamik und ausgewogenem Chorklang ihre gute Schulung.
Mal ganz zart, mal kraftvoll, dann wieder schalkhaft im Volkston, gemeinsam und in hübschem Wechsel der Frauen- und Männerstimmen wurden die Freuden und Leiden der Liebe besungen, um zum Abschluss ein grandioses Fortissimo aufzutürmen.
Imponierende Darbietungen
Prächtige Steigerungen gab es auch bei drei Gospels, den "Dry Bones" mit dem temperamentvollen Dirigenten am Klavier, dem "Deep River" mit den köstlichsten Decrescendi und "Lord I’ve got my Ticket" mit dem Dirigenten als Vorsänger.
Die jungen Bläser stellten sich unter dem lebhaften Dirigat von Felix Hauswirth vor mit der "Suite Francaise" von Dartus Milhaud, einer reizvollen Landschaftsschilderung: Die Normandie beschwingt im Marsch-Schritt, die Bretagne schwermütig dem Wellenschlag des Meeres lauschend, die Ile de France voll spritzigem Vie Parisienne mit vielen hervorragenden Soli, Alsace-Lorraine mit Paukenschlägen erinnernd an viele blutige Kriege und zum Schluss die Provence im Takt einer heiteren Farandole tanzend.
Ganz moderne Klänge, mit äußerster Präzision musiziert und vom Schlagwerk kraftvoll akzentuiert, bot im Anschluss "Desi" von M. Daughterty, und auch die kleine Suite von Leonard Bernstein war sehr rhythmisch bestimmt, und die Solo-Klarinette hatte es schwer.
Zum krönenden Abschluss vereinten sich beide Ensembles zu einem leider nur kurzen Ausschnitt aus "Carmina Burana" von Carl Orff, dirigiert von Dan-Olof Stenlund. So kraftvoll die jungen Bläser auch spielten, der Chor konnte sich bestens durchsetzen und mit "O fortuna" und "Ecce gratum" einen Einblick geben in dies prächtige Werk, das mit seinen lebensprallen Texten und der mitreißenden Musik so recht für junge Interpreten gemacht zu sein scheint.
Zum Dank für den nicht enden wollenden Beifall spielte das Orchester noch einen übermütigen Marsch von Prokofjew.